Votum „Standesinitiative Energieholz“

Votum „Standesinitiative Energieholz“
27. Oktober 2021 Simon Vogel

Sehr geehrte Frau Präsidentin, geschätzte Regierung, Liebe Kolleginnen und Kollegen

Mit dem Vorliegenden Vorstoss treffen für die Grüne Fraktion zwei Interessen aufeinander. Die nachhaltige Energieproduktion zum einen und der Landschaftsschutz zum anderen.

Ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen in der Schweiz wird durch unsere Gebäude verursacht. 70% der Wärmeenergie für Gebäude wird im Thurgau noch durch fossile Energien erzeugt. Dabei wären im Gebäudebereich die Alternativen vorhanden und die erneuerbaren Heizungen bereits heute finanziell attraktiver, wenn wir die Gesamtkosten betrachten. Neben Wärmepumpen spielt auch Fernwärme, z.B. aus verholzter Biomasse eine gewisse Rolle. Gemäss dem Energieholzkonzept aus dem Jahre 2017 könnten rund 20% der heutigen Gebäudewärme im Thurgau mit lokalem Energieholz bereitgestellt werden. Wobei die tatsächliche Zahl tiefer liegt, da auch für erneuerbare Industriewärme Holzenergie verwendet wird.

Gleichzeitig wird das zusätzlich verfügbare Holzpotential nur etwa 10% der fossilen Wärme abdecken, welche wir gemäss Energiekonzept bis 2030 durch erneuerbare Energie ersetzen müssen.

Holzenergie ist aber auf jeden Fall ein wichtiger Teil der erneuerbaren Wärmeversorgung, welches vollständig ausgeschöpft werden muss. Ich selbst hatte die Motion deshalb auch mit der Motivation unterzeichnet, den Ausbau der erneuerbaren Energie zu beschleunigen.

Bei genauerer Betrachtung handelt es sich hier jedoch vor allem um eine Raumplanerische Frage. Wollen wir neue Anlagen zur Wärmeproduktion in der Landwirtschaftszone ermöglichen?
Landschaftsschutz ist für uns Grüne ein wichtiges Thema. 20 Prozent aller Gebäude stehen heute in der Nichtbauzone. Lange wurde das Bauen ausserhalb der Bauzonen zu wenig reguliert und auch die geplanten Verbesserungen im RPG2 sind für uns zum Teil noch zu wenig ambitioniert. Jetzt eine Standesinitiative zu lancieren, welche zusätzliche Gebäude in der Landwirtschaftszone ermöglichen soll, ist für uns deshalb keine Option. Wir teilen die Ansicht der Regierung, dass eine solche Regelung vor allem falsche Anreize schafft und dazu führen würde, dass neue Anlagen zur Energieholzverwertung fast nur noch ausserhalb der Bauzonen erstellt würden. Der Bau von grösseren Anlagen mit der Anbindung an Fernwärmenetze muss aus unserer Sicht weiterhin innerhalb der Bauzone erfolgen.

Die Grüne Fraktion lehnt deshalb die Motion einstimmig ab, auch wenn grosse Sympathien mit der Förderung von Holzenergie vorhanden sind.

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